Die Coaching-Ausbildung bei AZ-Ans Ziel aus Teilnehmersicht (Modul 2) – Wenn ein gelöster Knoten erst der Anfang ist
Mailin Drenkard studiert Empirische Kulturwissenschaften und Jura und nimmt derzeit an unserer Coaching-Ausbildung bei AZ Ans-Ziel teil. In diesem Blog berichtet sie offen und persönlich von ihren Erfahrungen während der Coaching-Ausbildung in Überlingen am Bodensee.
Nach ersten eigenen Coachingerfahrungen zwischen den Ausbildungsmodulen ging es im zweiten Block darum, tiefer einzutauchen: in systemische Zusammenhänge, innere Dynamiken und neue Perspektiven auf Entwicklung.
Zwischen den Modulen – erste eigene Navigation
Noch bevor wir uns zum zweiten Modul wieder trafen, coachten wir uns als Ausbildungsteilnehmende gegenseitig. Wir führten also untereinander Coachings durch, jeweils einmal als Coachee (= die Person, die gecoacht wird) und einmal als Coach.
Als ich selbst Coachee war, fiel mir etwas auf, das ich so nicht erwartet hätte: Ich hatte mein eigentliches Ziel fast aus dem Blick verloren. Stattdessen hing ich gedanklich an den einzelnen Schritten, die mich dorthin bringen sollten. Es wirkte strukturiert und gleichzeitig merkte ich, wie ich mich darin verlor.
Erst durch das Zwischenbriefing wurde mein Fokus wieder klarer. Ich konnte mich neu ausrichten und hatte wieder ein Gefühl für das „Warum“ hinter meinem Ziel. Das hat mir gezeigt, wie schnell man sich im Tun verlieren kann, wenn man nicht regelmäßig innehält.
Als Coach hingegen merkte ich, dass ich noch zurückhaltend war. Besonders dann, wenn es darum ging, Hindernisse klar anzusprechen oder tiefer nachzufragen. Ich bekam ehrliches, konstruktives Feedback: Ich hätte an manchen Stellen mutiger sein und mehr in die Tiefe gehen können. Eine wichtige erste Kurskorrektur.
Tag 1: Wieder an Bord – alte Themen, neue Strömungen
Als wir uns schließlich zum zweiten Modul wieder trafen, fühlte es sich fast so an, als hätten wir uns erst vor kurzem gesehen, dabei lagen etwa zwei Monate dazwischen.
Jede und jeder brachte wieder eigene Themen mit. Manche hatten sich aufgelöst, andere verändert, und neue waren hinzugekommen. Gleichzeitig wurde uns bewusst: Die Techniken, um mentale Blockaden und emotionalen Stress zu lösen, hatten viele von uns in den Einzelcoachings nicht genutzt.
Daran anschließend beschäftigten wir uns mit unseren inneren Polaritäten: Wer will ich sein und welchen Teil in mir lehne ich ab? Dabei wurde mir klar, dass gerade solche Polaritäten, ebenso wie andere Glaubenssätze, innere Systeme bilden können, die wir oft als gegeben annehmen, ohne zu verstehen, welche Spannungen sie in uns selbst erzeugen.
In einer Übung ging es darum, diese Gegensätze nicht länger getrennt zu betrachten, sondern sie mental zu verbinden. Für mich ein ungewohnter Gedanke und gar nicht so einfach.
Und dann standen da noch diese Badeenten auf dem Tisch. Ziemlich viele. Auf einem dunklen Holztisch. Nun ja, wir waren am Bodensee, aber was um alles in der Welt hatte es damit auf sich?
Tag 2: Wenn Systeme sichtbar werden
Die Antwort auf die Badeenten kam, aber anders als erwartet.
Wir tauchten in das ein, was bei Andreas Zaiß als systemische Betrachtung verstanden wird. Ich verstand zunehmend, dass unser Verhalten stark davon abhängt, in welchem „System“ wir uns bewegen – sei es im Arbeitsteam, in der Familie, im Freundeskreis oder in einem Projektteam, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Je nach Umfeld zeigen sich unterschiedliche Facetten von uns. Und sobald sich etwas im System verändert (etwa durch eine weitere Person oder eine neue Situation) verändert sich auch die Dynamik.

Um das sichtbar zu machen, arbeiteten wir mit den unterschiedlichsten Dingen: Badeenten, Schlümpfen, kleinen Tieren, Bodenankern und auch mit echten Menschen.
Falls jetzt die Frage auftaucht, was da genau passiert: Ich hätte mir diese Frage vorher ebenfalls gestellt. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass man es schwer erklären kann, ohne es selbst erlebt zu haben.
Bei dieser Form der Aufstellungen ist das innere Bild des Coachees entscheidend. Also das, was unbewusst wahrgenommen und durch die Aufstellung nach außen dargestellt wird.
In meiner eigenen Aufstellung wurde mir etwas klar, das mich überrascht hat: Figuren, die in meinem realen Umfeld nichts miteinander zu tun haben, zeigten plötzlich ein sehr ähnliches Verhalten.
Besonders eindrücklich war auch die Aufstellung eines anderen Mitglieds, bei der sich die Stimmung im Raum spürbar veränderte. Es wurde kühl und angespannt. Eine Person entwickelte starke Wut, obwohl sie inhaltlich kaum etwas über ihre Rolle in der Aufstellung wusste. Sie sollte einfach nur wahrnehmen und fühlen.
Dieser Moment hat mir gezeigt, wie intensiv solche Prozesse sein können. Und auch, wie wichtig es ist, sich danach bewusst wieder davon zu lösen. Emotionen können einen in einer Rolle vollständig einnehmen – und genauso bewusst darf man sie auch wieder abschütteln.
Zwischendurch gab es immer wieder Momente der Leichtigkeit: Mittagspausen in der Sonne, ein See in der Nähe, Klavierklänge von Straßenkünstlern und gutes Essen.
Tag 3: Neue Knoten werden kennengelernt
Am dritten Tag durfte ich selbst eine Aufstellung inklusive Stressauflösung coachen. Und ich war unsicher. Zeitweise sehr unsicher.
Es gab Momente, in denen ich nicht wusste, wie es weitergeht. Und genau dort lag eine wichtige Erkenntnis: Es ist nicht schlimm, wenn man als Coach nicht sofort den nächsten Schritt parat hat. Wichtig ist, einen Weg zu finden, mit dieser Situation umzugehen. Nicht in Panik zu verfallen, sondern im Prozess zu bleiben.
Als ich im weiteren Verlauf des Tages selbst wieder an der Reihe war, meine Situation aufzustellen, zeigte sich außerdem etwas Unerwartetes: Eine völlig andere Person spielte plötzlich eine zentrale Rolle.
Das machte mir deutlich, dass sich mit dem Lösen eines Knotens nicht automatisch das ganze „Knäuel“ auflöst. Aber neue Knoten werden sichtbar.
Später beschäftigten wir uns erneut mit unseren Zielen. Manche waren gleich geblieben, andere hatten sich verändert. Wir überlegten, was uns wirklich motiviert, dranzubleiben. Dabei wurde mir klar: Disziplin sieht für jeden anders aus.
Und noch etwas wurde greifbarer: Die systemische Betrachtung hilft dabei, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, ihre Perspektiven und Emotionen besser zu verstehen. Gleichzeitig können aber auch Konflikte oder unausgesprochene Themen ans Licht kommen, die vorher im Verborgenen lagen.
Was ich aus dieser Etappe mitnehme:
Das zweite Modul war für mich noch einmal eine andere Ebene. Weniger vorsichtiges Herantasten und dafür mehr Eintauchen.
Ich habe erlebt, wie viel sich zeigen kann, wenn man bereit ist, auch ungewöhnliche Wege mitzugehen.
Ich habe gespürt, wie wichtig es ist, innerlich in Frieden mit Situationen zu kommen. Denn sonst arbeiten sie oft unbemerkt weiter, bis ein scheinbar harmloser Moment plötzlich alles wieder an die Oberfläche bringt.
Und ich habe verstanden, dass Entwicklung selten bedeutet, alles auf einmal zu lösen. Viel öfter bedeutet sie, einen Knoten nach dem anderen sichtbar zu machen.
Wenn das erste Modul der Einstieg war, dann fühlt sich dieses zweite Modul an wie ein tieferes Eintauchen in unbekannte Gewässer.
Und ich ahne langsam, dass diese Reise noch einige unerwartete Strömungen bereithält.
Sie möchten tiefer in das Thema Coachausbildung eintauchen?
In unserem Blog, auf unserem YouTube-Kanal und in unserem Podcast finden Sie weitere Einblicke, Hintergründe und Impulse.
Alle Informationen zur Ausbildung finden Sie hier.
Hier geht es zum 1. Modul der Coaching-Ausbildung bei AZ Ans-Ziel aus Teilnehmersicht.
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