Die Coaching-Ausbildung bei AZ-Ans Ziel aus Teilnehmersicht (Modul 3) – Wenn aus einzelnen Wellen ein neuer Kurs entsteht
Mailin Drenkard studiert Empirische Kulturwissenschaften und Jura und nimmt derzeit an unserer Coaching-Ausbildung bei AZ Ans-Ziel teil. In diesem Blog berichtet sie offen und persönlich von ihren Erfahrungen während der Coaching-Ausbildung in Überlingen am Bodensee.
Wir trafen uns wieder – zum dritten Modul unserer Coaching-Ausbildung. Diesmal hingen draußen keine Jacken an den Kleiderhaken im Flur. War denn überhaupt schon jemand da? Ja, alle waren da! Es war Sommer und endlich so richtig warm am Bodensee.
Doch nicht nur das Wetter hatte sich verändert. Auch bei unseren persönlichen Themen hatte sich seit dem letzten Modul einiges getan. Bei manchen hatte sich ein Thema gelöst, und erstaunlicherweise blieb es oft nicht bei diesem einen Thema. Eine Lösung brachte die nächste ins Rollen, fast wie bei einem Dominoeffekt. Bei anderen hingegen waren die Wellen noch ziemlich hoch. Der Versuch, ein Thema anzugehen, hatte weitere Hindernisse sichtbar gemacht. Statt einer Lösung waren neue Fragen aufgetaucht.
Egal wie sich unsere Themen auch entwickelt hatten, wir starteten wie immer damit, uns gegenseitig zu erzählen, was sich seit dem letzten Modul getan hatte.
Zwischen den Modulen: Übung macht den Meister
Auch dieses Mal hatten wir zwischen den Modulen wieder zweimal Gelegenheit, das Gelernte anzuwenden, einmal als Coach und einmal als Coachee. Wir berichteten von unseren Erfahrungen und dabei wurde schnell deutlich, dass wir nicht mehr dort waren, wo wir im ersten Modul gestartet hatten. Übung macht eben doch den Meister.
Das Coachen fühlte sich für uns alle leichter an. Die einzelnen Schritte mussten nicht mehr bewusst im Kopf zusammengesetzt werden, vieles begann selbstverständlich zu werden. Auch ich merkte, dass ich nicht mehr über jeden einzelnen Schritt nachdenken musste und die verschiedenen Tools inzwischen viel stärker verinnerlicht hatte.
Gleichzeitig erkannte ich meine nächste Lernaufgabe. Ich darf mutiger werden, eine Stille auszuhalten und dem Coachee Raum zum Nachdenken zu geben, anstatt sofort die nächste Frage zu stellen oder etwas anbieten zu wollen. Eigentlich klingt das ganz einfach, trotzdem ist es gar nicht so leicht, eine Stille auszuhalten.
Mein Ziel ist schon wieder ein anderes
Auch mein Zielsatz hatte sich inzwischen schon wieder verändert. Aber vielleicht war genau das der Punkt. Nicht nur mein Zielsatz hatte sich verändert, sondern auch ich und damit meine Themen.
Rückblickend wurde mir immer deutlicher, dass es gar nicht darum ging, am Anfang der Ausbildung einen perfekten Zielsatz zu finden und ihn bis zum Ende unverändert zu verfolgen. Mein Zielsatz war eher wie eine Kursangabe auf unserer Reise. Er durfte sich verändern, wenn sich auch meine Perspektive veränderte und genau das war passiert.
Das innere Team und die Seiten, die wir lieber verstecken
Ein großer Schwerpunkt dieses Moduls war unser „inneres Team“. Wer arbeitet eigentlich in mir? Welche Stimmen gibt es und was sagen sie? Welche Seiten bestimmen mein Handeln und welche davon melden sich besonders laut?
Das Ziel war nicht, diese verschiedenen Seiten loszuwerden, sondern sie miteinander in einen konstruktiven Dialog zu bringen. Doch was ist mit den Stimmen, die schweigen? Wie soll ich wissen, dass auch sie ein Teil von mir sind, wenn sie sich überhaupt nicht zu Wort melden?
Dafür bekamen wir verschiedene Techniken an die Hand, mit denen wir auch schweigende Stimmen sichtbar und hörbar machen konnten. Einmal blieben wir bei der Aufstellung des inneren Teams eines Teilnehmers genau an diesem Punkt hängen. Irgendetwas fehlte, aber was könnte uns zeigen, welche Stimme noch dazugehört?
Ratlose Gesichter im Raum.
Schließlich wurde ein Buch zur Projektionsfläche und plötzlich ergab sich ein neuer Zugang. Genau solche Momente machten für mich erneut deutlich, wie vielseitig Coaching sein kann. Manchmal führt der Weg eben nicht über die nächste Frage, sondern über einen kleinen Umweg.
Mit dem inneren Team beschäftigten wir uns außerdem mit den Seiten in uns, die wir vielleicht nicht besonders mögen, den unpopulären Seiten, die wir lieber verstecken, kontrollieren oder verändern würden. Dabei wurde mir klar, dass ich ständig gegen einen Teil von mir selbst ankämpfe, wenn ich diese Seiten nicht akzeptiere. Und genau das, was ich unbedingt vermeiden möchte, bekommt dadurch oft erst recht Macht über mich.
Es geht also nicht darum, nur die eine Seite zu sein. Ich bin nicht entweder so oder so – ich bin beides. Die Herausforderung liegt darin, diese Polaritäten auszubalancieren und die unterschiedlichen Seiten miteinander in Einklang zu bringen.
Coaching auf dem Wasser
Und dann wurde es tatsächlich wörtlich mit dem Wasser. Bei über 30 Grad entschieden sich einige Teilnehmende kurzerhand dafür, ihr Gruppencoaching aufs Wasser zu verlegen. Also Motorboot statt Seminarraum.
Die Teilnehmenden mieteten sich ein Motorboot am Überlinger Hafen und verlegten ihr Coaching kurzerhand auf den Bodensee, bei den hohen Temperaturen durchaus nachvollziehbar. Als sie später zurückkamen, wirkten sie jedenfalls gut gelaunt und erfrischt. Ob dabei die frische Seeluft oder das Coaching den größeren Anteil hatte, bleibt offen. 🙂
Aber eines passte perfekt zu unserer gesamten Ausbildungsreise: Coaching ist nicht an einen bestimmten Raum gebunden und manchmal darf man eben auch den Kurs wechseln und neue Gewässer erkunden.
Was kann ich eigentlich schon?
Zum Ende des Moduls füllten wir alle eine Selbsteinschätzung aus. Dabei wurde deutlich, dass uns eigentlich vor allem noch eines fehlte: konkrete Erfahrung in der Anwendung. Das Wissen und die Methoden waren da, jetzt ging es darum, sie immer sicherer einzusetzen.
Die Selbsteinschätzung gab uns außerdem noch einmal die Möglichkeit, offene Fragen zu klären und die Lerninhalte der vergangenen Module Revue passieren zu lassen.
Mein persönlicher Blick zurück
Schlussendlich hatte ich noch eine kleine Präsentation vorzubereiten, weil ich beim letzten Modul leider nicht mehr dabei sein konnte. Dadurch bekam ich die Gelegenheit, meine persönliche Entwicklung während der gesamten Coaching-Ausbildung zu betrachten.
Wenn ich an den Anfang zurückdenke, war da ziemlich viel Orientierungslosigkeit. Was ist eigentlich mein eigenes Thema? Wo will ich hin? Was ist mein Ziel? Gleichzeitig stand ich vor einer ganzen Reihe von Coachingmethoden und hatte zunächst keine Ahnung, wie ich all diese Werkzeuge einmal sicher einsetzen sollte.
Mein Zielsatz hat sich seitdem immer wieder verändert. Heute glaube ich, dass er das auch musste. Denn während sich mein Zielsatz veränderte, veränderte ich mich ebenfalls. Was am Anfang noch unklar und neblig war, wurde mit jedem Modul ein bisschen greifbarer, nicht unbedingt einfacher, aber klarer. Ich bin aus dieser Ausbildung gefestigt und gestärkt herausgekommen. Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis meiner bisherigen Reise: Es geht nicht darum, dafür zu sorgen, dass keine Wellen mehr kommen. Es geht darum, zu wissen, wie man mit ihnen umgeht.
Ich fühle mich heute deutlich besser gewappnet, auch zukünftige Wellen und Stromschnellen zu meistern. Wenn ich auf die Reise zurückblicke, stelle ich fest, dass ich nicht mehr dieselbe Person bin, die am Anfang an Bord gegangen ist. Mein Kurs hat sich verändert und damit auch ich selbst.
Sie möchten tiefer in das Thema Coachausbildung eintauchen?
In unserem Blog, auf unserem YouTube-Kanal und in unserem Podcast finden Sie weitere Einblicke, Hintergründe und Impulse.
Alle Informationen zur Ausbildung finden Sie hier.
Hier geht es zum 1. Modul der Coaching-Ausbildung bei AZ Ans-Ziel aus Teilnehmersicht.
Hier geht es zum 2. Modul der Coaching-Ausbildung bei AZ Ans-Ziel aus Teilnehmersicht.
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