Ans Ziel
Die Coaching-Ausbildung bei AZ-Ans Ziel aus Teilnehmersicht
© Holger Spiering
Coaching

Die Coaching-Ausbildung bei AZ-Ans Ziel aus Teilnehmersicht

5. März 2026 Mailin Drenkard 7 Min. Lesezeit

Mailin Drenkard studiert Empirische Kulturwissenschaften und Jura. In diesem Jahr nimmt sie an unserer Coaching-Ausbildung teil und berichtet in einem Blog über ihre persönlichen Erfahrungen.

Die Ausbildung umfasst vier Module (3+3+2+1 Tage), verteilt über den Zeitraum eines Dreivierteljahres. Die Ausbildung findet in Überlingen am Bodensee statt.

Modul 1 der Coaching-Ausbildung – Drei Tage, die mehr bewegt haben, als ich erwartet hatte

Wenn ich an das erste Modul unserer Coaching-Ausbildung in Überlingen zurückdenke, dann fühlt es sich tatsächlich an wie das erste richtige Ablegen vom sicheren Hafen. Diese drei Tage waren intensiv, persönlich und ehrlicherweise auch herausfordernder, als ich es erwartet hatte.

Wir waren zu sechst im Raum – fünf Coachees und Andreas als unser Kapitän. Diese kleine Gruppengröße machte etwas mit einem. Man konnte sich nicht verstecken. Aber genau dadurch entstand auch etwas sehr Besonderes: eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der jede*r für die eigenen Themen Raum bekam.

Tag 1: Wenn das Ziel noch im Dunst liegt

Wie im offiziellen Ablauf beschrieben, begann das erste Modul mit der Zielfindung. Dabei ging es nicht um klassische Leistungsziele, sondern um die sehr persönliche Frage: Was möchte ich für mich verändern?

Manche in der Gruppe wussten erstaunlich klar, wohin sie wollten. Andere – und ich habe mich zeitweise dazugezählt – schipperten eher im Nebel. Und selbst als ich meinte, mein Ziel formuliert zu haben, blieb es nicht unverändert. Mehrere von uns passten ihre Zielformulierungen im Verlauf des Coachings an.

Für mich war es faszinierend zu erleben, wie sehr ein paar wenige Worte ein völlig anderes Gefühl auslösen konnten. Eine bestimmte Formulierung meines Ziels fühlte sich stimmig an. Ich hatte sofort das Gefühl: Ja, das trifft genau meinen Stress. Eine andere Version las sich ebenfalls logisch, aber sie berührte mich nicht. Sie war richtig im Kopf, aber nicht im Gefühl.
Und genau darin lag eine meiner ersten Erkenntnisse: Worte sind nicht nur Worte, sondern zeitgleich Richtungsangaben für unser Inneres.

Tag 2: Ein Wellengang der Gefühle

Was ich besonders wertvoll fand, war, dass wir jeden Tag mit einer Rekapitulation begannen und ihn auch damit beendeten. Jeder teilte noch einmal (natürlich immer freiwillig), welche Gedanken, Gefühle oder Erkenntnisse besonders hängen geblieben waren. Diese Runden zeigten mir, wie viel innerlich in uns noch nacharbeitete, oft auch über Nacht. Im Coaching – sowohl in der Gruppe als auch in den Zweierkonstellationen – entstanden Gespräche, bei denen eine gecoachte Person später sagte, dass sie so offen und tief selbst mit engen Freundinnen noch nie gesprochen habe. Mich hat das sehr berührt, denn es zeigte, wie schnell ein Raum entstehen konnte, in dem man sich sicher fühlte und Worte fand für Dinge, die man vielleicht schon lange mit sich herumtrug.

Und manchmal öffnete man sich völlig unerwartet.
Ich erinnere mich noch genau an den Moment, in dem ich über mein Thema sprach und plötzlich bemerkte, wie mir die Tränen kamen. Ich hatte mich innerlich nicht darauf vorbereitet und trotzdem ließen sie sich nicht zurückhalten.

Was mich in diesem Moment besonders bewegte, war die Reaktion der Gruppe. Niemand versuchte, es kleinzureden oder schnell zu „lösen“. Ich wurde einfach liebevoll aufgefangen. Es durfte da sein, und ich merkte, wie gut es tat, dass meine Emotionen nicht bewertet, sondern einfach gehalten wurden. Auch bei anderen in der Gruppe flossen unerwartet Tränen. Dieser Moment war für mich in der Coachingausbildung ein zentrales Learning. Ich habe verstanden, dass es meine Aufgabe als Coach ist, einen Raum zu schaffen, in dem alle Gefühle sein dürfen, ohne sie zu bewerten oder zu relativieren. Das Vertrauen vom Coachee zum Coach entsteht dort, wo Emotionen wertfrei angenommen werden und der Coachee das Gefühl hat: Alles, was da ist, darf da sein.

Als ich selbst Coachee war, bekam ich die Aufgabe, meine Hindernisse aufzuschreiben, ohne dabei etwas zu beschönigen. Ich war überrascht, wie schwer es mir an manchen Stellen fiel, ehrlich aufzuschreiben, was ich an mir akzeptiere, verdränge oder wer ich vielleicht nicht sein möchte. Gleichzeitig gab es Momente, in denen es ganz leicht floss. Dieses Schreiben war unglaublich befreiend, und ich merkte, dass es manchen anderen ähnlich ging. Plötzlich war das, was vorher riesig und unübersichtlich gewirkt hatte, auf Papier strukturiert und dadurch weniger überwältigend.

Mir wurde wieder einmal bewusst, dass man einfache Lösungen oft nicht sieht, wenn man selbst mitten im Problem steckt. Von außen wirkt manches klar, während es sich von innen wie dichter Nebel anfühlt.

Gleichzeitig merkte ich aber auch, wie schwer es mir fiel, Themen zu akzeptieren, die sich gerade nicht logisch lösen ließen. Wenn ich etwas kontrollieren wollte, das außerhalb meines Einflussbereichs lag, entstand Frustration. Dieses Gefühl von „Ich müsste doch…“ und gleichzeitig „Ich kann aber nicht“ war sehr präsent.

Während ich in einer individuellen Coachingsequenz also über meinen Aufschrieben brütete, hörte ich immer wieder Geräusche aus dem Nebenraum und merkte dabei, wie vielfältig Coaching eigentlich sein kann. Plötzlich ein lauter Gongschlag – ach so, da machte gerade jemand eine Stressauflösung!

An anderer Stelle wurde Papier bemalt oder durchboxt. Manchmal wurde etwas laut vorgelesen. Das alles zeigte mir noch einmal, dass Coaching nicht nur aus Gesprächen besteht, sondern dass auch Handlungen unglaublich viel bewegen können. Manchmal muss eben Power raus und dann wird ein Blatt Papier zum Ventil.

Tag 3: Nicht ins Steuer greifen

Am dritten Tag wurde mir noch einmal sehr deutlich, wie oft ich im Coaching zwischen Kopf und Gefühl hin- und hergerissen bin: Habe ich das gerade gesagt, weil ich es wirklich fühle? Oder weil mein Kopf eine logische, vernünftige Antwort geliefert hat?

Der Kopf ist wichtig. Aber im Coaching arbeiten wir auch mit Gefühlen, weil sie unsere Impulsreaktionen steuern. Und es ist gar nicht so leicht, diesen Unterschied bei sich selbst klar zu erkennen.

Befand ich mich selbst in der Rolle des Coaches, war es außerdem eine große Lernaufgabe, die Hilflosigkeit und Verwirrung eines Coachees auszuhalten. Nicht sofort eingreifen und nicht vorschnell kommentieren. Gerade bei der Stressauflösung anderer habe ich gemerkt, wie schnell ich innerlich dachte: „Ah, ich weiß, worum es geht.“

Auf Wunsch des Coachees brainstormten wir auch gemeinsam in der Gruppe Lösungsstrategien. Aber immer mit einem klaren Fokus auf die Ressourcen. Was bringe ich schon mit? Wo habe ich bereits Stärke gezeigt? Welche Fähigkeiten kann ich nutzen?

Am Ende des ersten Moduls haben wir sehr konkrete und individuelle Pläne für die nächste Zeit festgelegt. Keine vagen Vorsätze, sondern klare Punkte, die wir bis zum nächsten Modul angehen wollen. Es war ein bisschen so, als würden wir uns nach drei intensiven Tagen nicht einfach wieder treiben lassen, sondern bewusst einen Kurs setzen.

Was ich aus dieser Etappe mitnehme

Dieses erste Modul der Coachausbildung war für mich einerseits der Einstieg in eine Ausbildung. Gleichzeitig war es aber auch ein ehrliches Hinsehen, Aushalten, sich öffnen und manchmal auch ein Loslassen.

Ich habe gespürt, wie befreiend es sein kann, Dinge aufzuschreiben und auszusprechen. Ich habe erlebt, wie schnell aus einer kleinen Gruppe ein vertrauensvoller Raum entstehen kann, in dem sogar Tränen selbstverständlich sein dürfen.

Und ich habe verstanden, dass Coaching nicht bedeutet, Lösungen zu verteilen, sondern Räume zu schaffen, Prozesse auszuhalten und Menschen darin zu begleiten, ihre eigenen Antworten zu finden.

Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse aus diesen Tagen war, wie entscheidend Entwicklung in Beziehungen ist – auch (und vielleicht sogar an erster Stelle) in der Beziehung zu mir selbst. Wenn wir Dinge nicht ansprechen, nicht akzeptieren oder einfach ignorieren, bleiben wir innerlich stehen. Beziehung lebt von Bewegung und wo keine Bewegung ist, entstehen Spannungen, die sich früher oder später ihren eigenen Weg suchen.

Wenn das erst das erste Modul war, dann bin ich sehr gespannt, welche Gewässer diese Reise noch für uns bereithält.

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