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MUV am Bodensee – Das eigene Betriebssystem weiter entschlüsseln
© Denise Jans (Unsplash)
MUV

MUV am Bodensee – Das eigene Betriebssystem weiter entschlüsseln

9. November 2025 Mailin Drenkard 4 Min. Lesezeit

Zweiter Seminartag

Noch bevor der zweite Seminartag von MUV offiziell beginnt, treffen wir uns als Gruppe. Sofort bricht ein lebhafter Austausch über die gestrigen Erkenntnisse aus. Wir hinterfragen unsere Einschätzungen, vergleichen Erfahrungen und merken schnell: Der gestrige Tag hat in allen nachgewirkt.
Andreas begrüßt uns mit einem Zitat von Mooji: „Du siehst die Welt nicht so wie sie ist, Du siehst die Welt so wie Du bist.“ Ein Satz, der sofort im Raum hängen bleibt. Und plötzlich wird die Frage spürbar: Bin ich das, was meine erste Selbsteinschätzung war, oder bin ich es nicht?
Gleichzeitig wird mir bewusst, dass Selbsterkenntnis kein fixer Zustand ist und wohl auch nie sein kann. Je genauer ich hinsehe, desto mehr Facetten entdecke ich in mir. Und weil ich mich selbst ständig verändere, werde ich immer neue Einsichten darüber gewinnen, wer ich bin.
Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, wie sehr Ihre eigene Sicht auf die Welt Ihr Verhalten beeinflusst?

Feedbacks, Polaritäten und kleine Verwirrungen

Wir reflektieren über die Feedbacks, die uns im Laufe unseres Lebens besonders geprägt haben.
Auch ich erinnere mich an frühere Rückmeldungen, die mich im Laufe meines Lebens stark geprägt haben und bis heute nachwirken. Selbst beiläufige Bemerkungen hinterließen Spuren: Manche motivierten mich, andere hielten mich zurück, und manches war vermutlich gar nicht so gemeint, wie ich es damals verstanden habe.

Ein Teilnehmer beschreibt nach dem gestrigen Tag ein buntes Chaos aus den Polaritäten, welche wir im Seminar kennengelernt haben: „Ich bin wohl ein begeisterter Ritter, der ruhend auf dem Felsen sitzt und mittlerweile vollständig verwirrt ist.“
Ein Moment, der alle zum Lachen bringt und gleichzeitig zeigt, wie komplex unsere inneren Programme sind.
Wir nehmen uns Zeit, unsere Programme im ruhigen Zustand und im Stresszustand zu hinterfragen. Was bin ich wann? Oder ist es vielleicht doch umgekehrt? Manchmal scheint alles klar nur um dann wieder in Frage gestellt zu werden. Andreas hilft uns dabei etwas klarer zu sehen und langsam lichtet sich der Nebel in unseren Köpfen. Wir beginnen unsere persönlichen Betriebssysteme immer besser zu verstehen.
Mir wird deutlich, dass ich mich in Stresssituationen oft automatisch in alte Muster zurückziehe: Ich will alles kontrollieren, werde extrem perfektionistisch und präzise. Bisher habe ich das für eine Stärke gehalten, jetzt aber erkenne ich, dass es ein Versuch ist, Sicherheit wiederherzustellen.

Stress verstehen und emotionale Ladung reduzieren

Nach einer gemeinsamen Mittagspause, gut gestärkt und heiter, widmen wir uns nun dem, was uns in Stresssituationen triggert und was uns hilft. Andreas führt uns Übungen vor, die es ermöglichen, unsere emotionale Ladung in angespannten Momenten zu reduzieren. Dabei erleben einige von uns kleine Aha-Momente: Wir erkennen, dass schon kurze, gezielte Übungen ausreichen, um Stress abzubauen und Abstand zu einer Situation zu gewinnen.
Mir wird klar, dass ich mehr Einfluss auf mein Erleben habe, als ich dachte. Ich kann selbst wählen, ob ich mich in der Anspannung verliere oder ob ich einen Schritt zurücktrete.

Wir besprechen, was uns persönlich in der Anspannung guttut – von Bewegung über Musik bis hin zu kleinen Ritualen, die den Stresspegel senken. Jede*r von uns nimmt individuelle Erkenntnisse mit, die uns helfen werden, unser Verhalten künftig bewusster zu steuern.

Reflexion und nächste Schritte

Am Ende des Tages wird klar: Wir haben gelernt, unsere Verhaltensmuster besser zu verstehen. Damit haben wir den ersten Schritt getan, um wirklich etwas zu verändern. Und auch wenn die Selbstanalyse manchmal verwirrend sein kann – genau darin liegt die Chance. Unser Betriebssystem zu erkennen, zu verstehen und liebevoll zu begleiten, eröffnet neue Perspektiven auf uns selbst und auf unsere Mitmenschen.
Wenn ich nach diesen zwei Tagen MUV auf mein inneres Betriebssystem schaue, habe ich das Gefühl, ich sehe nicht nur mehr, sondern ich verstehe auch mehr. Das erlangte Wissen über mich selbst schenkt mir Sicherheit, aber nicht im Sinne von Kontrolle, sondern im Sinne von Vertrauen.
Und jetzt beginnt die spannende Aufgabe: dieses Sehen und Erkennen im Alltag zu leben.